18. Internationales Bergfilm-Festival Tegernsee

Das Bergfilm-Genre scheint gut durch die Zwangspause gekommen zu sein: 252 Produktionen aus sagenhaften 38 Ländern wurden für das Tegernseer Bergfilm-Festivals angemeldet. Vorauswahljury und Organisationsteam fügten die sehenswertesten „Film-Gipfel“ zu einem attraktiven Festival-Programm zusammen, das vom 13. bis 17. Oktober 2021 das Publikum begeistern wird. Fesselnde Dokumentationen über alpinistische Spitzenleistungen, spannende Reportagen und berührende Porträts von – und über – Bergmenschen.

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44 Vorstellungen mit 94 Filmen, dazu drei Matinéen mit den Siegerfilmen und die Überzeugung, dass ein Festival reale Menschen an einem realen Ort zusammenbringen muss: Das Bergfilm-Festival in Tegernsee soll wieder zu einem Ort der Begegnung werden, zum Treffpunkt für Bergfreunde aus nah und fern, um die Faszination des Bergfilms in seiner ganzen Vielfalt wieder hautnah zu erleben.

So leicht ist das? Warum also nicht gleich aufbrechen, sich einen Traum erfüllen und schnell selbst einmal über den berühmten Lionsgrat aufs Matterhorn tänzeln? So, wie der italienische Kletterer Hervé Barmasse das mit atemberaubender Eleganz auf der Leinwand demonstriert. Doch zwischen Film, Traum und Wirklichkeit liegen leider Welten. So ist es wohl besser, statt ans Matterhorn an den Tegernsee zu fahren, dort einen Hauch von Bergleidenschaft, von Abenteuer und Luft unter den Sohlen zu spüren. Zu fiebern, zu leiden und sich mitzufreuen, mit all jenen, die durch ihre Leidenschaft, ihre Bestimmung, ihren Alltag oder ihren Beruf tief mit dem Berg verbunden sind und so zu Protagonisten in großartigen Filmen aus aller Welt wurden.

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©MathisDumas-1

Bergsteigerische Glanzleistungen sind ein fester Bestandteil des Tegernseer Bergfilm-Festivals. In diesem Herbst geht es dabei nicht nur aufs Matterhorn, sondern auch, neben vielen weiteren Zielen, an den Nanga Parbat und auf den K2 – und spektakulär mit Skiern vom Gipfel zurück ins Tal. Immer aufs Neue faszinierend ist der Blick in die Klettergeschichte, etwa auf große Persönlichkeiten wie Reinhard Karl. Er stand 1978 als erster Deutscher auf dem Mount Everest, aber viel größere Bedeutung erlangte er, weil er mit seinen Bildern und seinen Worten eine ganze Generation junger Bergbegeisterter mitriss und das Bergsteigen von alten Denkmustern befreite, bevor er am Achttausender Cho Oyu viel zu jung unter einer Lawine begraben wurde.

Am Herzen liegen Festival-Direktor Michael Pause Filme aus vermeintlich „exotischen“ Bergfilm-Ländern: Ein Holzfäller aus Taiwan, der vor eine schwere Entscheidung gestellt wird; ein Lehrer, der im Iran Halbnomaden mit ihren Kindern auf ihrem beschwerlichen Weg begleitet oder eine Familie in Nepal, die verbotener Weise zu den Göttern hinaufsteigen muss, damit der Sohn Arzt werden kann. „Das sind Filme, die sonst nirgendwo zu sehen sind, die Brücken schlagen zu fernen Ländern und fremden Lebensweisen“, so Pause. „Gerade weil sie von einheimischen Menschen, die an diesen Orten ihr Leben verbringen, gedreht wurden. Das sind andere, aufrüttelnde Sichtweisen die wir nicht gewohnt sind.“

Trekking in Nepal

Betroffen macht eine Ladakh-Dokumentation: Langjährige Festival-Besucher erinnern sich sicherlich an einen Film über Schulkinder, deren gefahrenvoller Schulweg der zugefrorene Chaddr-Fluss war. Damals, vor rund einem Jahrzehnt, war der Fluss noch fest zugefroren, inzwischen ist das Eis oft zu dünn, um es zu betreten. Der Klimawandel hinterlässt seine Spuren, nicht nur in diesem Film. Eine Welt im Umbruch, noch einmal verstärkt durch die Pandemie.

Das Thema Pandemie wird in Tegernsee auch auf der Leinwand eine Rolle spielen, denn: „Ein Film-Festival muss immer eine Bühne für die außergewöhnlichen Filme bereithalten“, betont Festival-Direktor Michael Pause. Welche oft ausgefallenen Wege haben die Filmemacher wohl während des Lockdowns eingeschlagen? „Nur so viel kann ich im Moment verraten: Es wird überraschend, es wird spannend und es wird auf jeden Fall ganz großes Kino!“

Klar ist, dass man sich im Herbst ganz auf das Wesentliche konzentrieren will: Den Film. Denn Corona-bedingt wird es voraussichtlich kein Rahmenprogramm und kein Bergfilm-Forum geben. Die Zuschauerreihen sind entsprechend den im Herbst gültigen Richtlinien wohl nicht so dicht besetzt wie „früher“ – und Karten gibt es nur Online, ab 17. September 2021.

Das Programm liegt ab September online und gedruckt vor. Was letztendlich im Oktober wirklich möglich sein wird, erfahren Sie immer aktuell unter www.bergfilm-tegernsee.de